Der bewaffnete Widerstand in Litauen (1944-1952)
Dieser hier in einer gekürzten Übersetzung wiedergegebene Beitrag erschien am 2.Dezember 1989 in der Zeitschrift des litauischen Schriftstellerverbandes „Literatūra ir menas“ (Literatur und Kunst) und stellte damals die erst öffentliche Auseinandersetzung mit dem bis dahin völlig tabuisierten Thema dar. Er löste eine ganze Flut von Lesenbriefen zur Frage von Widerstand und Kollaboration aus, die noch ein halbes Jahr lang in dieser Zeitschrift abgedruckt wurden.
In unserer Geschichte gibt es keine weißen Flecken, nur blutende Wunden. Diese durfte man auch nicht heilen, man rieb sie ein mit den Lügen - Salben. Man linderte die Schmerzen mit dem Rauschgift der bolschewistischen Ideen. Eine solche riesige Wunde auf dem kleinen Körper unseres Volkes sind die Nachkriegsjahre. Das war vielleischt derjenige Zeitraum im Leben unseres Volkes, wo man mit Hamlet sagen konnte „Sein oder Nichtsein“?
Kęstutis K.Girnius („Die Kämpfe der Partisanen in Litauen“, Chicago 1987) hält den Einfluß des Partisanenkampfes auf das Bewußtsein unseres Volkes für noch größer als den Zweiten Weltkriegs. Von außen sieht man dies vielleicht besser, aber das könnte nur die ältere Generation beurteilen, die Augenzeugen dieser Ereignisse. Wir, die Geschöpfe des „Papiersozialismus“, was wiesen wir? Unsere Enzyklopädien waren so klug, diesen Zeitraum gar nicht zu erwähnen, als ob er in der Geschichte unseres Volkes gar nicht existiert hätte. Aber lohnt es sich, den Verlust einzelner Haare zu bedauern, wenn der ganze Kopf der Wahrheit abgeschnitten ist? Ich glaube, die Schrifsteller, Historiker, Lehrer, Propagandisten, Kommunisten und Ateisten, sie alle hat man überredet oder gezwungen zu sagen, zu schreiben und zu glauben, daß damals ein Bürgerkrieg oder Klassenkampf ausgebrochen sei, daß die braven „Verteidiger des Volkes“ gegen die „Banditen“ (Partisanen) gekämpft hätten. Diese ganze Tarnung wurde nur für den einen Zweck benötigt, den wichtigsten Umstand zu vertuschen: die Okkupation Litauens. Es wurden „wissenchaftliche“ Arbeiten über den Bürgerkrieg und Klasenkampf publiziert. Aber der Meinung fast des gesamten Volkes über diesen „Bürgerkrieg“ wurde in den Nachkriegsjahren keine Beachtung geschenkt. Was den „Klassenkampf“ betrifft: Die „Verteidiger“ des Volkes (von den Litauern als „stribai“ (einer verkürzten Form des russisches Wortes „istrebiteli“ - „Vernichter“, Anm.,d, Red.) bezeichnet) waren nur ein kleiner, sehr gut bewaffneter, importierter Bestandteil der Zwangsmaschinerie. Die neuen Ideologen verzuchen womöglich, die Wahrheit besser zu verfälschen, damit man nicht erfährt, daß Tausende von Männern ganz spontan, ohne Mobilisation und Zwang, in die Wälder gegangen sind, um gegen die Lüge und der Zwang zu kämpfen.
Der bewaffnete Kampf hat fast neuen Jahre (1944-1952) gedauert, die aktive Phase der Partisanenkämpfe etwa zwei Jahre. In verschiedenen Quellen finden sich verschiedene Angaben über die Zahl der Partisanen, von 50 000 bis 100 000. Natürlich blieb ihre Zahl nicht immer gleich. Sie änderte sich jeden Tad, jedes Jahr. Mal waren es etwas mehr, mal etwas weniger, aber insgesamt wurden es mit der Zeit immer weniger.
Es ist anzunehmen, daß die Partisanen nicht geglaubt hatten, daß der Kampf so lange dauern und so viele Opfer fordern würde, wärend andererseits die Regierung nicht geglaubt hatte, daß der Widerstandskampf so stark und energisch sein würde. In Widerstandskampf hat das Volk sein Streben nach Freiheit zum Ausdruck gebracht. Man kann sagen, daß der neunjährige bewaffnete Widerstand auch eine Volksabstimmung war. „Ohne der Partisanenkampf“, schreibt Kęstutis K.Girnius, „ könnte man streiten, ob die Litauer ihre Freiheit schätzen; durch sie aber wurde die Wahrheit nur allzu klar. „Das haben die ca.20 000 bis 30 000 Opfer sozusagen unterschrieben.
Auch im engeren Sinne des Wortes haben die durch ihr unbeschreibliches Leid Unterdrückten geschrieben. Alle Briefe haben dasselbe Leitmotiv: „Wir hoffen“, hunderte, tausende Variationen von „Wir hoffen“. Als Beispiel hier nur einige Zitate aus dem Brief an Papst Pius XII vom 20. November 1947:
„Heiliger Vater, Hirte der Katholiken!
Wir, die Katholiken der Republik Litauen, rufen Eure Heiligkeit um Hilfe an. Wir, die wir vernichtet, terorisiert, hungrig, nackt, blutend, ohne jegliche Menschenrechte und von der ganzen Welt isoliert sind, bitten Euch um Schutz und Hilfe. (...)
Uns hat man nicht nur unser Land und unser Haus geraubt, unsere Städte und Höfe zerstört, uns hat man sogar der Möglichkeit zu denken und der Freiheit des Denkens beraubt. Wir sind zu Seelensklaven geworden. Unsere Kultur ist mindestens um hundert Jahre zurückgeworfen worden.
Die Okkupanten haben unseren „Sejm“ (Parlament) gewählt - nur so viel Kandidaten, wie es Sitze gibt. Sie haben selbst die Kandidaten ausgewählt, haben selbst die Listen zusammengestellt und unter Waffendrohungen mußten wir zur „Stimmabgabe“. Wir, das stolze litauische Volk! O Gott, welch schreckliche Tage waren das! Gebäude wurden gesprengt, das Blut floß in Strömen.
Die Verlogenheit der Okkupanten übersteigt jede Vorstellung. Sie haben unsere „hundertprozentige Zustimmung“ bekanntgegeben, und wir wurden in die Sowjetunion inkorporiert. Es war eine Stunde des Zwangs und der Schande. Heiliger Vater, als die Okkupanten mit Panzern und Waffen kamen, haben die Erde, die Steine und Felsen gegen die schreckliche Lüge protestiert.
Im Juni 1941 wurden innerhalb von drei Tagen ohne Gerichtsurteil etwa 40 000 Litauer, darunter Kinder, Alte und Kranke, in Viehwaggons verfrachtet und nach Sibirien verschleppt. Diese drei Tagen werden den Litauern auf ewig als Schrekenstage in Erinnerung bleiben.(...) Die Okkupation des Jahres 1940/41 war nur ein Schatten im Vergleich mit der heutigen Gewalt. Damals was alles spontan, jetzt handelt es sich um die geplante Vernischtung und Russifizierung des Volkes (...).
Bald drei Jahre erleben wir diesen Todeskampf. Wir kämpfen, wie wir nur könen. Wenn wir nicht gekämpft hätten, wären wir schon längst vernichtet. Tausende unserer Jugendlichen, Männer, Mädchen und sogar Greise, sind in den Wäldern. Die Okkupanten haben Angst von unseren Wäldern. Dort existiert noch unsere Freiheit (...)
Wir bitten Eure Heiligkeit um ein offenes Wort des Trostes für das litauische Volk. Wir hoffen, daß Ihr uns erhört, Heiliger Vater“.
Juozas Petraška (Tarnname „Patrimpas“, Leiter der Partisanengruppe „Dzūkija“ im Bezirk „Dainava“, zu 25 Jahren Lagerhaft verurteilt) ist bis heute überzeugt, daß das Volk zum Widerstandskampf bereit war und es keinen anderes Weg gab. „Viele Männer wollten lieber mit der Waffe in der Hand in Litauen ums Leben kommen, als den Tod am Eismeer zu erleiden. Das war das Ergebnis der Deportationen des Jahres 1941“. Die Hauptmotive für den Widerstand waren nach J. Petraška der Kampf gegen die Okkupation und die Liebe zur Heimat. Natürlich gab es auch solche, die sich der Einberufung entziehen wollten oder die Situation sehr naiv eingeschätzt haben. Der Partizanenführer erinnerte sich an eine Mutter, die mit ihnem Sohn, einem noch ganz kleinen Kind, gekommen war. „Nehmen Sie ihn bitte zu sich, denn wenn wir die Freiheit widerhaben, werden alle dafür gekämpf haben, nur mein Juozulis nicht“. Natürlich wurden solche Kämpfer nicht mitgenommen.
Das In-die-Wälder-Gehen wurde deshalb organisiert, wiel sich große Gruppen sehr viel schwerer vergerben konnten und auf dem Land starke Hände für die Arbeit benötigt wurden, denn man mußte den „dichter gewordenen“ Wald miternähren. Je mehr in die Wälder gingen, desto weniger bleiben in den Dörfern. Die Bauern mußten Steuern zahlen und darüber hinaus die „stribai“ ernähren (hat der Staat, der sie ausgewählt hat, sie etwa nich ausreichend entlohnt?). Natürlich waren die Partisanen nich allzu zurückhaltend und haben auch Lebensmittel vom Staat genommen, doch die Frage der Verpflegung war immer aktuell. Viele Kämpfer, mit denen ich geschprochen habe, haben dies betont. Ich war der Meinung gewesen, daß die Bewaffnung das größte Problem gewesen sei. Doch das war anscheinend nicht der Fall: Bereits beim Rückzug der Deutschen wurden die Waffen gesammelt, gereinigt und versteckt. Die Geschitsschreibung hat bis jetzt auch vergessen, daß wärend der Zeit der deutschen Okkupation nich nur Kommunisten den bewaffneten Widerstand getragen haben. Aus den Gesprächen mit B.Trakimas wurde klar, daß der Bezirk Vilnius am wenigsten auf den bewaffneten Kampf vorbereitet war. Er fürt das vor allem darauf zurück, daß dieser Teil Litauens nicht zum unabhängigen Litauen gehört hatte. Viele Mitglieder des bewaffneten Widerstands, vor allem
ehemalige Militärs, betonten, daß es an ausgebildeten Partizanenführern und an Erfahrung gemangelt habe, bewaffnet sei man jedoch gewesen wie eine gute Armee.
Die schriftlichen Quellen bezeichnen das Jahr 1945 als eine Wegscheide. Die einen verließen die Wälder, die anderen gingen in der Wälder. Viele sind für immer dort geblieben. Für den Bezirk „Didžioji kova“ („Der große Kampf“) war dieses Jahr nach Aussagen von B.Trakimas das schwerste. Starke Truppen der Armee mit Panzern umlagerten die Partisanen zwichen dem Fluß Neris und der Autobahn Kaunas-Vilnius. Damals sind viele Partisanen ums Leben gekommen.
1945 war auch das Jahr der ersten Registrierung der Einwohner. Über diese Registrierung hat der Partizanenführer Adolfas Ramanauskas – Vanagas in seinem Manuskript „Partizanų gretose“ (es ist inzwischen 1991 in Verlag „Mintis“ als Buch herausgegeben worden) berichtet. Zunächst einige Worte über den Autor des Berichts: A.Ramanauskas war seit dem Jahre 1951 der oberste Partizanenführer. Nach dem Ende des bewaffneten Widerstands versteckte er sich im Bezirk Alytus, später lebte er illegal in Kaunas, wo er im Jahre 1956 verhaftet und im Jahre 1957 hingerichtet wurde.
In seinen Aufzeichnungen berichtet er, wie der Partizanenführer Kazimieraitis die Registrierungsfrage erklärt hat:
„Die Partizanenführer ebenso wie die Partisanen wisen, warum und gegen wen sie kämpfen. Uns steht noch ein sehr langer und schwerer Kampf für den Frieden bevor. Er wird noch viele Opfer kosten. Die Okkupanten verfolgen die Familienmitglieder der Partisanen. Jetzt verschprechen die Okkupanten, daß denjenigen partisanen, die (aus dem Wäldern) zurückkommen und sich registrieren lassen, „verziehen“ wurde und ihre Familien nicht mehr verfolgt würden. Wir allen wissen, daß die Okkupanten listig sind und man ihren Versprechen nicht glauben kann. Die ersten registrierten Partisanen sind freigelassen, aber in der Zukunft wird man sich doch noch an sie erinnern. Viele Familienmitglieder sind auch der Meinung, daß der Feind viel stärker ist und die Partisanen nicht aushalten werden. Sie meinen, es sei besser, einige Jahre im Gefängnis zu verbringen als früher oder später im Kampf ums Leben zu kommen.(...)
Es ist sogar besser, wenn diejenigen, die sich nicht stark genug füllen, sich an der Registrierung beteiligen, denn sie werden es in Zukunft doch nicht aushalten und nur zur Last fallen statt, wie es sich für stolze Krieger gehört, bis zum Ende auszuharren. In dieser schwierigen Sitaution kann nur derjenige Partisan bleiben, der mutig genug ist, so lange zu kämpfen, bis der Kampf zu Ende ist, der an den Sieg glaubt und keine Angst hat, in den Tod zu gehen, wenn dies von ihm verlangt wird. Einer, der nur bei der Truppe bleibt, weil die Partisanenleitung ihm nicht erlaubt, sich zu entfernen, ist wertlos. Wenn die Partisanenleitung jetzt die Beiteiligung an der Registrierung verbieten würde, dann würde sie später von den Familien, die für die Beteiligung an der Registrierung sind, des Brudermords beschuldigt werden“.
Weiter erzählt A. Ramanauskas – Vanagas von seiner Reise durch Westlitauen im Winter 1948-49. „Ich habe erfahren, – shreibt er -, daß dort die Partisanenleitung die Beteiligung an der Registrierung strikt verboten hat. Die Partisanen haben dementsprechend sich nicht beteiligt, aber daraus ist nicht Gutes entstanden. Denn in den Reihen der Partisanen sind auch solche geblieben, die diesen Namen längst nicht mehr verdienten. Später wurden manche von ihnen su Verrätern. Mit ihrer Tätigkeit fügten sie der Autorität der Organisation sehr großen Schaden zu und kosteten viele, viele Kämpfer das Leben“.
Verräter – das schwierigste Thema des Widerstands
Illegalität ist Illegalität, ihre Regeln sind einfach und streng, der Mensch aber ist kompliziert und verletzlich. Die Organisatoren des Widerstands achteten darauf, daß die Kampfgenossen nicht alles wußten, vor allem nicht solche Dinge, die bei einer Verhaftung zur Last fallen könnten. Niemand konnte weder für einen anderen noch für sich selbst garantieren, wie er eine Folterung durchstehen würde.
Die Peiniger verfügten, nac ihrem erfolgreichen Praktikum 1937-38 in Rußland (5 -7 Millionen Opfer), über eine hohe Qualifikation. Sie verkörperten einen unvorstellbaren Sadismus. Der Schriftsteller A. Žigulinas, Mitglied einer jungendlichen Untergrundorganisation in der UdSSR, hat in seinem Buch „Černye kamni“ („Schwarze Steine“) erzählt, wie er noch ganz jung ins Gefängnis gelangte und wie die „Alten“ ihn gelert hatten:„Wenn sie dich schlagen, roll‘ disch zusammen, die Hände um den Kopf, so daß du mit dem Zeigefingern die Schläfen und mit den Daumen die Halschlagader berührst, die Ellenbogen an die Seite gepreßt.“
Patrimpa (J.Petraška) wurde mit seinem sieben Kämpfern im Bunker der Gruppe „Punia“ am 11. August 1947 belagert. In der Nacht vom Sonntag auf den Montag hatten die Partisanen schwer gearbeitet, sie hatten Flugblätter hergestellt. Vor den Sonnenaufgang waren sie eingeschlafen. Der Bunker war geräumig, groß (dort konnten 16 Männer aun einmal schlafen), hatte eine hölzerne Decke und zwei Ausgänge. Etwa um 11 Uhr morgens wurde Patrimpa von ungewöhnlichen Lauten geweckt. Da er Gast in diesem Bunker war, weckte er den Gastgeber mit dem Decknamen „Ažuolis“ („Eiche“). Der horchte eine Weile und meinte dann, es seien nur Kühe, die oft hier grasten, dann schlief er wieder ein. „Mir ist nicht geheuer und ich habe ihn nochmals geweckt. „Geh zum Ausgang, und du wirst selbs hören“,- antwortete er mir. „Aha, Kühe,- sagte ich,- und sie sprechen russisch“. Die Männer versuchten noch, alles zu verbrennen, aber das Papier brannte nicht, es mangelte Sauerstoff. Der erste, der ums Leben kam, war Ažuolis, dann noch drei weitere. Vier sind am Leben geblieben und wurden bewußtlos nach oben gebracht. Dann kam ein Vertreter des Staatssicherheitskomitees Litauens zu Patrimpas: „Er sagt zu mir Guten tag und ich kann überhaupt nichts antworten, es war nur Chaos in meinem Kopf. Er setzte sich neben mich, gab mir eine Zigarette Marke „Kazbek“ und begann zu reden; er wollte mich in diesem Zustand aushorchen. Als er mir die zweite Zigarette anbot, verstand ich, daß ich gegen die erste gesiegt hatte. Beim Weggehen sagte er nur: „Hab keine Angst, dich werden sie nicht schlagen“. Un sie haben wirklich nicht geschlagen“.
Aber das war eher die Ausnahme als die Regel. Von diesen vier, die am Leben geblieben sind, hat einer infolde der Schläge den Verstand verloren (einer ist spurlos verschwunden, einer, der als Verräter bezeichnet wurde, ist im Lager gestorben).
Ich kenne eine Frau, sie war Partisanenkurier, die sich bei der Verhaftunf das Leben zu nehmen versuchte – erfolglos. Die „Ärzte“ haben sich bemüht, sie zu retten. Sie hat noch ein zweites Mal einen Selbstmordversucht verübt, indem sie einen Löffel in ihre Kopfwunde borhte.
Viele Partisanen versuchen, sich bei ihrer Festnahme in die Luft zu sprengen (und dabei möglichst viele Feinde mitzunehmen) oder sich zu erschießen. Ihre Angst vor dem Schicksal des Verräters war größer als ihre Angst vor dem Tod. Wenn man die verschiedenen schriftlchen Quellen analysiert, wird einem deutlich, daß die Partisanen sehr unter den Verrätern gelitten haben. Natürlich hat die Staatssicherheit solche Leute geschätyt. Mit Hilfe von Spionen wurden Tausende verhaftet, eingesperrt, ums Leben gebracht. Sie haben sehr dazu beigetraden, die stärkste Bastion des Widerstands, die Partisanenbewegung, zu besiegen.
A.Ramanauskas – Vanagas schreibt, daß „die Frage der Liquidierung der Spione immer die aktuellste, die unbeliebteste und die am schwersten lösbare Frage war, gleichzeitig aber die wichtigste und nötigste.(...) Der Spion ist der abscheulichste Vertreter des Volkes (...) Der Kampf gegen solche Spione war und ist sehr schwer und verantwortungsvoll. Die Situation, wenn die Partisanen Kenntnisse über einen Spion erhalten hatten, war sehr schwierig. (...) Beim Urteilsspruch (durch das Kriegsgericht der Partisanen, E.T.) war es schwierig festzustellen, ob die Zeugen richtige Angaben machten oder übertrieben. (...) Einen Menchen zum Tode verurteilen, ist immer sehr schwer. Die Partisanen haben keine Gefängnisse, und ein strenges Wort für den Verbrecher ist zu wenig. (...) Die Partisanenführung hat sich bemüht (...), die Kontrolle zu behalten und diejenigen streng zu bestrafen, die mit der Todesstrafe leichtsinning umgegangen sind“.
Natürlich waren auch die Partisanen vor schreklichen Fehlern und Grausamkeiten nicht gefeit. Es gab Fälle, wo die Partisanen eigene Leute wegen Verbrechen, Diebstahl, Grausamkeit erschossen haben. J.Petraška erinnert sich, wie das Kriegsgericht seiner Truppe einen gewissen Marcinkevičius aus dem Dorf Gerulis zum Tode verurteilt hatte. Fünfzehn Leute standen mit den Gewehren bereit, und der Verurteilte mußte einen Hütgel hinauf gehen...
Der Schriftsteller J.Mikelinskas rief auf der Sitzung des Schriftstellerverbandes und des Instituts für Gechiechte am 4.April 1989 dazu auf, alle Grausamkeiten, die die eine Seite der anderen angetan hatte, endlich aufzuklären. Wenn das so einfach wäre! Sicher war die Rache manchmal Größer als die Tat. Aber schließlich hatte man die Partisanen zu Banditen erklärt. Es ist auch ein Verbrechen, eine solche Situation zu schaffen, in der die Menchen zu den Gewehren greifen. Die Okkupation hat in Litauen Lüge und Gewalt gerechtfertigt. „Man darf nicht vergessen“, sagt J.Mikelinskas,“daß die Grausamkeit der Partisanen die Grausamkeit von Menchen war, die an die Wand gedrückt, von schrecklichen Lebensbedingungen verküppelt und ohne jegliche Zukunftsperspektiven waren. Um ein vollständiges Bild zu bekommen, muß man auch einkalkulieren, daß zahlreiche Provokationen ausgedacht orden waren, um die Partisanen zu kriminalisieren. „Ja, Partisanen haben auch getötet, andernfalls hätten sie Heilige sein müssen.
Am 4. Nowember 1989 versammelten sich in Kaunas ( auf Initiative des Verbands der Internierten) etwa 600 Partisanen. Sie erinnerten mich seltsamerweise an Kriegsveteranen, nur ohne Orden....Im Sitzungssaal befanden sich auch zwei wie durch ein Wunder und unter höchstem Risiko aufbewahrte Truppenfahnen. Unter diesen Fahnen war man vereidigt worden, mit ihnen waren die Körper der Gefallenen bedeckt worden. Ein Interniertenchor sang Partisanenlieder. Die Männer, die neben mir saßen, erzählt daß im Lager beim Singen dieser Lieder die Menchen anderer Nationalitäten aufgestanden seien. Kann ein anderer, der unsere Sprache nicht verstht, in diesem einfachen Melodien echte und tragiche Heimatliebe spüren? „Weine nich, Mutter, daß der junge Sohn die liebe Heimat verteidigen und wie eine abgechlagene Eiche auf die Stunde des letzten Gerichts warten wird“, heißt es in einem dieser Lieder.
„Wir, die wir in den zwanziger Jahren geboren sind, sind eine glückliche Generation. Wir haben zwanzig Jahre freies Leben gehabt, wir wissen, was Freiheit und Unabhängigkeit bedeuten. Wir sind glücklich“, sagte mir B.Trakimas, der vier Jahre gekämpft hatte, zu fünfundzwanzig Jahren Lagerhaft verurteilt worden war und elf davon im Lager Intas verbracht hatte. Bei der Sitzung hat auch Liudas Simutis, das jüngste Mitglied des Widerstands, geschprochen. Er kam auf die Bühne, klein und dunkelhaari, und sprach ohne große Vorrede: „Ich bin Liudas Simutis. 22 Jahre habe ich im Gefängnis gesessen. Vor zwölf Jahren bin ich zurückgekommen, und ich lebe. Ich habe sechs Söhne, der älteste ist zehn Jahre, der jungste zehn Monate alt. Widerstand gegen die Lüge ist kein Last, sondern eine Pflicht, eine Tügend. Es ist ein Glück, daß die heutige Generation ahne Waffen und ohne viel Blut die kommunistiche Perestroika in die Wiedergeburt unseres Volkes umgewandelt hat.“
Elena Tervidytė
Acta Baltica XIX/XXX
ISSN 0567-7289
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Elena Tervidytė – profesionali žurnalistė, fotografė. Nuo 1992 m. - švietimo savaitraščio „Dialogas“ vyriausioji redaktorė. Lietuvos fotomenininkų sąjungos narė.